Jonny nutze die Fahrt von der Tankstelle zu seinem Haus um mir ein paar Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Erste Halt war die ältestes Straße Englands, ca. 7.000 Jahre alt und unspektakulär wie ein Feldweg.

Quelle: Wikipedia

Weiter ging es nach Avebury und den gleichnamigen Steinkreis. Leider stehen von den ursprünglichen 154 Megalithen nur noch 36 Stück und die Hauptstraße führt durch die drei Steinkreise (einen großen Äußeren und zwei Innere). Zu den Steinkreisen gehört auch noch eine Allee mit weiteren, nur noch teilweise vorhandenen, 600 Steinen. Der Ort wurde vor ca. 2.500 Jahren errichtet und ist zu Stonehenge und dem Glastonbury Tor ausgerichtet. Immer wieder faszinierend welche astrologischen und mathematischen Fähigkeiten bereits vor 2.500 Jahren vorhanden waren. Mehr dazu auf Wikipedia.

Quelle. Wikipedia

Weiter ging es an dem Silbury Hill vorbei, ein künstlicher Hügel mit 37m Höhe und 167m Durchmesser der vor ca. 4.600 Jahren errichtet worden ist. Der erste Gedanke ist, das ist ein Grabhügel, wie man es von Irland her kennt. Aber der Hügel ist kein Grab. Berechnungen zufolge hätten 700 Männer zehn Jahre ununterbrochen arbeiten müssen, um dieses Monument zu schaffen. Das ist eine unglaubliche Leistung in einer Zeit, in der die Menschen eigentlich genug damit zu tun hatten, sich und ihre Familie zu ernähren. Und Niemand weiß, warum sie es taten.

Dann erreichten wir Jonnys Haus und wir stellten unsere Motorräder in der Garage unter. Die Begrüßung bei Jonnys Familie fiel sehr herzlich aus und ich überreichte meine kleinen Mitbringsel aus dem Dreiländereck: Holländische Lakritz für seine Söhne, Belgische Pralinien für seine Frau und unseren Selfkant Zipfeltrunk für Jonny. Alle waren begeistert und dann wurde bereits das Shepherd’s Pie aufgetischt. Ein irisches Hackfleisch Gericht, wobei die Engländer sagen sie hätten es erfunden und die Iren geklaut. Zum Abschluss des Abend ging es dann noch in den lokalen Pub und ich konnte Jonny endlich Fragen wie der britsiche Motorrad-Gruß aussieht.
Wie bereits vermutet, macht das Heben der linken Hand keinen Sinn. Rechte Hand heben ist nicht möglich (Gasgriff). Fuß raus machen einige, ist aber unüblich. Die Briten grüßen durch ein Nicken des Kopfes (Helmes) auf die rechte Schulter. Das sieht wie Headbangen aus, echt lustig. Und wenn einer sich mit der linken Hand auf dem helm klopft, bedeutet das „Achtung, Polizei!“.

Mit etwas verzögerung kommt nun der Bericht zum UK Versys Meet 2018. Beim Treffen selber hatte ich abends keine Zeit (und Lust) Blogbeiträge zu schreiben und nach dem Treffen hat mich der Alltag eingeholt. Aber jetzt geht’s los:

Bereit zur Abfahrt

Um 06:30 Uhr geht es voll motiviert auf den Weg zum UK National Versys Meet 2018 in Ross on Wye, Großbritannien. Erstes Etappenziel: der Fährhafen von Dünkirchen in Frankreich. Und zwar auf schnellstem Weg. Das Navi hat schon die Strecke wegen dem Berufsverkehr über Antwerpen, statt Brüssel geplant. Aber auch die Strecke über Antwerpen bleibt nicht Stau frei. Aber zuerst mal durch Sittard (NL) und zur Autobahn. Nach kurzer Fahrt führt die Autobahn über die Maas und ich bin Belgien, wo sofort die Rappellei los geht.

Blinker ab

Kurz vor Genk (B) bemerke ich, dass mein rechter Blinker nur noch am Kabel hängt und abgefallen ist. Also bei Genk runter von der Bahn und erst mal begutachten. Hmm, sieht gut aus, draufstecken kann man ihn wieder. Hält aber nicht. Wie war der fixiert? Geklebt? Nein, innen ist ein Plastikteil gebrochen.

Hält dank Panzertape

Da ich meine fahrende Werkstatt dabei habe wird der Blinker schnell mit Panzertape fixiert. Hält!

 

 

Rauf auf die Bahn und weiter Richtung Antwerpen. Und somit in den Stau. Zuerst ist man ja der vorbildliche Motorradfahrer, aber nach dem vierten Belgier der sich mit dem Motorrad durchschlängelt, hält es mich auch nicht mehr auf meiner Spur. Warnblinker an und durch. Scheint in Belgien erlaubt zu sei. Selbst die Politie hat platz gemacht. So lasse ich den Berufsverkehr an den Hot Spots schnell hinter mir und erreiche Dünkirchen. Eigentlich wollte ich noch in Belgien tanken, aber die Grenze kam plötzlich. Also in Frankreich tanken für 1,659 € ?

Weiter zum Check in und durch den Zoll. Die Franzosen interessiert es nicht wer ausreist und wollen keinen Pass sehen. Die Briten nehmen es dafür genauer und mein neuer Reisepass wird intensiv geprüft, lassen mich dann aber durch. Au

Versys von oben

f die Fähre warten war sehr kurzweilig. Habe es gerade mal geschafft ein paar Nachrichten zu verschicken, mich biologisch zu erleichtern und in meine Stulle zu beißen. Schnell noch den Tacho von Kilometer auf Meilen geändert und dann ging es schon auf die Fähre und zum Verzurren. Diesmal über den Sitz, mit entsprechenden Schonern. An Board dann nen Kaffee für 3,20 GBP bestellt und erfahren, dass meine 1 Pound Münzen nicht mehr gültig sind. Somit in € bezahlt und 4,61€ ärmer.

Dover

Dann tauchen die berühmten weißen Felsen von Englands Küste samt Leuchtfeuer am Horizont auf. Und der hässliche Hafen von Dover.

Hafen Dover

Wenn ein Fährhafen über 100 Lanes hat dann kann man einfach nicht besser aussehen.

Goldwing

Nachdem der LKW und die Goldwing mit Beiwagen UND Anhänger vor mir losfahren bin ich an der Reihe und die Versys rollt die Gangway herab und das erste mal über britischen Boden. Da man zuerst im Einbahnstraßen-System durch den Zoll geführt wird, kann man im Hinblick auf Linksverkehr noch nicht falsch machen. Und später eigentlich auch nicht. Die Kreisverkehre sind so aufgebaut, dass man nicht falsch einfahren kann und aufgrund der Verkehrsdichte fährt man die ersten Meilen einfach hinterher. Und als Motorradfahrer hat man es auch leichter, da wir ja keinen Rechtslenker haben.

Nachdem mir die ersten Motorräder entgegen kommen stelle ich mir die Frage: Wie grüßt man andere Biker? Wir heben ja die linke Hand zum Gruß. Diese ruht normalerweise nur auf dem Lenker und wird zum Kuppeln benötigt, aber da ich auf der linken Seite fahre sieht das keiner. Rechte Hand heben – ist blöd, da man dann Gas los lässt. Rechtes Bein raus – möglich, macht aber keiner. Nicht grüßen, denkbar. Später mal Jonny fragen wie das geregelt ist (Achtung Spoiler: wird lustig).

Ich fahre nun die Route, die mir Richard aus dem UK Forum gegeben hat und bin somit abseits vom Verkehr auf Nebenstraßen unterwegs.

Tunnel

Die Straßen sind ziemlich eng (max. 2 Autos), rechts und links direkt mit Hecken gesäumt. Die Hecken hat einer akkurat mit der Gardena Heckenschere bearbeitet. Je nachdem wie hoch die Hecke ist fährt man wie in einem Tunnel. Teilweise sind die Bäume so dicht über die Straße zusammengewachsen, dass der Tunneleffekt noch verstärkt wird.

Felder

Wenn die Hecken flacher sind sieht man eine üppige grüne Vegetation und bestellte Felder. Sehr ländlich und gemütlich.

Die Straßen sind von unterer durchschnittlichen Qualität. Meist ist der linke Rand zur Hecke weggebrochen, viele Spurrillen und Pot Holes (Schlaglöcher) vor denen ich nochmals von Jonny per WhatsApp gewarnt wurde. Jonny hatte ich per WhatsApp meine goggle maps Position zum Tracken gegeben und somit konnte er meine Route verfolgen. Er kannte das noch nicht und war davon sehr begeistert.

Die englischen Straßen sind mit Buchstaben und Ziffern klassifiziert. M ist der Motorway (Autobahn), den man als Motorradfahrer meiden sollte. A sind vergleichbar mit unseren Bundesstraßen und B sind Land-, bzw. Kreisstraßen. Dem Buchstaben folgt eine oder mehrere Ziffern und je weniger Ziffern vorhanden sind um so ausgebauter sind diese. So ist die A40 sehr gut ausgebaut, vergleichbar mit einer zwei spurigen Bundesstraße, die B2070 dagegen hat schon Feldweg-Charakter. Ein typischer Single-Trail, max 1 Auto breit, links und rechts dichte Hecken. Auf son einer hätte ich mich auch beinahe zerlegt. In einer Kurve lag ziemlich viel Schotter und der Vorderreifen ist mehrfach weggerutscht und der Lenker hat mir fast den Arm verdreht. Aber der Reifen (Dnlop Roadsmart III) hat dann wieder Grip aufgebaut und die Versys um die Kurve gezwungen.

Wie bereits oben erwähnt hatte Jonny mich auf dem Radar und hat mich dann kurz vor Swindon an einer Tankstelle abgefangen. Die Begrüßung war sehr herzlich und Jonnys Freund Marcus war mit seiner Triumph Tiger 950 auch dabei. Nach einem kurzen Tankstopp und Geld ziehen am Automaten machten wir uns auf zu Jonnys Heim.