Das Frühstück ist genauso wie das Portland Hotel selber. Für den Preis okay, aber an das Frühstück von Patrick kommt es nicht heran. Mit gefüllten Magen mache ich mich auf zum Fährhafen Dover, der von Folkstone ne knappe halbe Stunde entfernt ist. Der Weg führt direkt am „Battle of Britain“-Museum, mit zig Flugzeugen aus dem zweiten Weltkrieg, vorbei. Mist, das hätte ich vorher wissen müssen. Also für das nächste Mal vormerken. Beim Check-in wird mir angeboten kostenfrei auf die Fähre Dover-Calais umzubuchen. Die Fähre würde 50 Minuten früher losfahren und 30 Minuten weniger auf See sein. Perfekt, toller Service von DFDS (Fähranbieter). Vielleicht kann ich auch Patricks Frage beantworten. Er wollte wissen, ob ich die Zeltlager der Migranten, die alle nach England wollen, in Calais gesehen habe. Da ich über Dünkirchen angereist bin konnte ich ihm dazu nichts sagen.

Bye Bye England

Die Fähre ist nur spärlich gebucht und die Überfahrt kurz. Runter vom Schiff und durch den Zoll ist unproblematisch und ich biege auf die Landstraße ab. Da ich keinen Zeitdruck habe eine Fähre wie bei der Anreise zu erwischen, will ich über Schön (also keine Autobahn) nach Hause fahren. Zeltlager sehe ich auf meiner Strecke keine, aber an den Waldrändern sind viele Trampelpfade zu sehen und ab und an schaut mal ein nordafrikanisch aussehender Kopf aus dem Wald heraus. Nach ein paar Minuten bin ich aus Calais raus und fahre zwischen Feldern Richtung Osten. Am Horizont verdunkeln sich die Wolken und ein paar Tropfen fallen herunter. Schnell anhalten und alle Belüftungsreisverschlüsse zu machen bevor ich Wassereinbruch habe. Der Übergang von Frankreich nach Belgien bekomme ich nicht mit, aber das ich in Belgien bin merke ich wieder an dem Straßenzustand. Du dumm, du dumm. Beste Betonplatten wie unsere A4 vor 20 Jahren.

1.916 km in 5 Tagen

Zudem noch auf 70 km/h reduziert und schnurstracks geradeaus. Langweilig, anstrengend und ermüdend. Ich beschließe, dass ich auf schnellsten Weg nach Hause fahre. Schön gibt es hier nicht und so wird die Heimreise ein Mix aus Autobahn und langweiligen Nationalstraßen. Wie haben wir Dänemark letztes Jahr getauft? Richtig, Transsitland. Belgien steht für mich heute auf der selben Stufe. So erreiche ich zum späten Nachmittag nach 1.916 km und fünf schönen Tagen mein geliebtes Heim. My home is my castle.

Fazit der Tour:
Südengland und Wales ist landschaftlich sehr schön und die Menschen sind sehr gastfreundlich. Man versteht mich und mein english ist nicht so schlecht wie ich dachte. Ich bin froh, dass ich der einzigste Deutsche bei dem Treffen gewesen bin und somit „gezwungen“ wurde englisch zu reden. Ich habe nur einmal den Übersetzer benutzt, da ich das englische Wort für Pfingsten (Pentecost) nicht kannte. Zudem habe ich nun den Unterschied zwischen den kirchlichen und gesetzlichen Feiertage verstanden. Gesetzliche Feiertag sind bank holidays, kirchliche nur holidays. Zudem haben die Briten nur vier kirchliche Feiertage: Karfreitag, Ostermontag, 1. und 2. Weihnachtstag.
Zum Treffen nächstes Jahr in Yorkshire wurde ich bereits eingeladen und ich habe vor auch da hin zu fahren. Mir wurde empfohlen die Fähre Rotterdam -> Hull (mit u gesprochen) zu nehmen. Okay, eigentlich heißt die Stadt Kingston Upon Hull, aber das mit den anderen Namen kennen wir ja schon von den Engländer

Bitte verzeiht mir die verzögerte Berichterstattung. Die Tage vor Ort waren zu schön um zeitnah (am selben Abend) zu schreiben und danach hat mich das Tagesgeschäft eingeholt. Als nächstes steht die Euregio-Biker.de Forums Tour am zweiten Juli Wochenende runter zur Mosel an.

Die Engländer ticken doch ganz anders als wir. Jedenfalls was die Durchführung von Treffen anbelangt. Bei dem deutschen Versys Treffen sind alle im gleichen Hotel untergebracht und verbringen so viel Zeit wie möglich miteinander. Freitag gemeinsames Abendessen, Samstag morgen gemeinsames Frühstück mit anschließender gemeinsamer Ausfahrt und Abends wieder gemütliches beisammen sein. Sonntags morgen dann wieder gemeinsames Frühstück und ausufernde Verabschiedung.
In England reist jeder Freitags an und übernachtet dort wo es ihm passt. Abends trifft man sich in kleinen Gruppen im Pub. Samstag gibt es eine gemeinsame Ausfahrt und Abends sitzt man wieder in kleinen Gruppen im Pub. Eine richtige Verabschiedung gibt es nicht. Man verabschiedet sich Samstag Abend bei den Leuten die greifbar sind. Sonntags geht jeder seine Wege. Schade, hätte mich gerne persönlich von jeden Einzelnen verabschiedet und mich für die Gastfreundschaft bedankt.

Der Sonntag morgen beginnt wieder mit dem herzhaften und leckerem Fühstück von Patrick.  Beim Frühstück unterhalte ich mich mit einem weiteren Gast, der von mir wissen will, was ich heute (Sonntag) noch auf dem Programm habe. Ich antworte, dass ich nach Portsmouth fahre und mir ein historische Kriegsschiff anschauen will. Portmouth? Nein, ich soll nach Portsmith fahren. Das Schiff dort wäre schöner. Ich bin so verwirrt, dass ich google anwerfe. Nein, es gibt kein Portsmith. Der Ort wo das Kriegschiff liegt heißt Portsmouth, aber die Engländer sprechen es smith aus. Nach dem Frühstück, dem Packen und der Verabschiedung von Patrick mache ich mich auf den Weg den Stolz der britschen Marine zu begutachten. Die Fahrt dort hin ist sehr kurzweilig und teilweise fahre ich zweispurige Straßen (Bundestraßen) um Kilometer, ähm. Meilen zu machen.

HMS Victory

Der Hafen in Portsmouth ist schnell gefunden und die HMS Victory auch. Vom Sockel haut mich der Kahn nicht wirklich. Die königliche dänische Fregatte in Ebeltoff macht da mehr her. Da Mittag ist gönne ich mir ein typisches britische Mittagessen: Fish’n Chips.

Fish’n Chips

Echt lecker und für knapp 10 GBP inkl. Getränk auch preiswert.
Als ich wieder los will streikt mal wieder mein Navi. Es dauert und dauert und kommt nicht in die Pötte. Und die zwei schwerbewaffneten Polizisten vor dem Schiffsmuseum werden schon nervös und schauen immer wieder rüber. Okay, bevor es Stress gibt fahr ich besser mal los und hoffe, dass das Navi sich bald fängt. Raus aus der Stadt und weiter Richtung Brighton. Dort hab ich als Wegpunkt in meinem Navi den Pier und lande prommt in ein Verkehrschaos.

Brighton

Was für Menschenmengen und was für eine Strandpromenade. Erst mal einen Parkplatz finden.

Versys

In einer längeren Reihe andere Moppeds finde ich noch einen Platz.

 

 

Brighton Pier

Brighton Pier

Der Brighton Pier ist ein Vergnügungspark der geschätze 2 Kilometer ins Wasser ragt. In einer riesigen Halle ist ein Spielkasino, Automaten, Süßigkeiten und vieles

Kasino

mehr aus der Rubrik Blink- und Geräuschkulisse. Am Ende vom Pier gibt es eine Achterbahn, Wildwasserbahn, Geisterbahn, AutoScooter und und und. Überall sind Souvenier-Shops und Fress-Buden. Überwältigend.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Und das bei besten Wetter. Noch überwältigt von den Eindrücken fahre ich wieder los Richtung Dover. Da ich den Fahrstil der Engländer bereits adaptiert habe überhole ich auch dort wo man es in Deutschland nicht machen würde. Erst zwei andere Moppeds und noch ein Auto in der 40 Meilen-Zone. Auf einmal Yeal-Geräusch und Blaulicht hinter mir. Na toll, das wird teuer. Ich blinke links und orientiere mich zum Fahrbahnrand. Der Polizeiwagen bleibt seitlich hinter mir und bleibt und bleibt. Dann zieht er endlich vorbei und als er vor mir ist macht er das Blaulicht aus und fährt weiter. Glück gehabt, hat wohl keine Lust auf Diskussionen mit einem Deutschen gehabt. Ich hätte auf jedenfall kein Englisch mehr gekonnt 🙂

Strand Folkstone

Auf kleinen Straßen fahre ich durch die sonnige und grüne Landschaft Südenglands und komme Abends in Folkstone an. Einen Ort kurz vor Dover wo ich mein Hotel gebucht habe. Nix berühmtes, aber für eine Nacht ausreichend. Noch ein zwei Fotos vom Strand und erschöpft ins Bett.